5. Glockner-Astroexpedition

Am Samstag den 15. September 2012 geht’s wieder auf die Großglockner-Hochalpenstraße zum Sterne-Spechteln. Dieses Jahr habe ich wieder den 16 Zoll Martini-Dobson und den Canon IS 15x50-Feldstecher fürs visuelle beobachten mitgenommen. Die Anfahrt verläuft ab Wien durchwegs bewölkt und oben beim Fuschertörl  ist es dann richtig nebelig dicht.

Erst ab dem Hochtor blickt man auf blauen Himmel und unten beim Wallackhaus scheint dann die Sonne!

Aber so was erlebe ich hier nicht zum ersten Mal. Ich vertreibe mir bis zum Abend die Zeit mit einem Ausflug runter zum Bach. Der Neuschnee vom letzten Wochenende hat den Bach zugedeckt, nur stellenweise hat ihn die Sonne schon wieder raus gebrannt.

Es waren ja auch fast 40cm die hier runtergefallen sind. Die kleinen Schneewände an der Hochalpenstraße geben schon den ersten Vorgeschmack auf den kommenden Winter.

Beim Abendessen im Wallackhaus treffe ich auf Marion und Günther, die alten Bekannten Matthias Juchert und Walter Koprolin und andere Hobbyastronomen. Draußen ist dieses Jahr vor dem Bierradies (der Aprés Ski- Hütte) ganz schön was los. Matthias hat seinen neuen 15“ Classic-Obsession mit, ganz nah an der Hütte baut Hubert, ein Sternenfreund aus Dresden, seinen 18“ Selbstbaudobson auf. Auf der gegenüberliegenden Seite haben sich die Fotografen platziert, Günther mit einer EQ6 und mehreren Canon-Kameras und Walter mit div. Newtons und QHY bzw. Atik-Kamera.

Da oben am Hochtor noch fest die Wolken hängen und nur der Blick nach Süden ganz frei ist, bauen dann auch noch andere Sternfreunde ihren 20“ Selbstbaudob ( LOMO Spiegel) auf. Auf der Edelweisspitze geht heute Abend gar nix, erst viel später wurde es dort auch klar. Durch den 20 Zöller haben wir dann nach Mitternacht einen Probeblick auf den Ringnebel werfen dürfen. Durch die Lowrider-Konstruktion ist der Okularauszug schief angeordnet, daher gibt’s hier auch keinen Filterschieber. Die Nachführung läuft auf Kugellagern mit Teflonbremse, das ist sehr weich zum Nachführen, einfach perfekt.  Außerdem sitzt der Dobson auf der neuen Nachführ-Plattform von „EM-Dobson“, die es ja jetzt recht günstig gibt. Damit bleibt der Ringnebel bei ca. 200facher Vergrößerung still im Okular, da blieb mir echt die Spucke weg. Ich glaub, ich weiß schon, was ich mir vom Christkind wünsche. Aber zurück zum Anfang, der Wind rüttelt stark an den Teleskopen aber dafür es ist klar. Die Männerrunde im Lokal verschlägt es auch raus zu uns, bumm ist das ein Gedränge heute, somit ist es aber einmal ohne Restaurantbeleuchtung halbwegs finster. Bis auf die Eingangslaterne, die wird erst um 22:00 Uhr ausgemacht und natürlich der Notbeleuchtung am Gang. Genau um die Zeit gibt’s dann eine große Aufregung vor der Hütte, die Biker-Gruppe die auch ein bissl den Sternenhimmel genießen wollte bekommt dann eine richtige Show. Oben im ersten Stock, an einem der frontseitigen Badezimmer, wähnt sich eine junge hübsche Dame bei der abendlichen Körperpflege unbeobachtet und das ganze ohne Textilien! Da war natürlich fast Stadionstimmung hier, an dem sonst so beschaulich ruhigen Platzerl! Erst als die Frau ihre Bettbekleidung übergestreift hatte wurde es ruhiger.

Ich hab den Burschen dann allen mal ein paar Deep-Sky-Objekte an meinem Dobson eingestellt. (zum Beruhigen ;-) In der Finsternis waren die Beobachter und die Besucher recht einfach zu unterscheiden - die Hobbyastronomen hatten keine Bierdose in der Hand. Ich weiß jetzt gar nicht mehr wie viele Gäste ich am Dobson hatte, zumindest macht es immer eine Menge Spaß den Leuten ein bisschen die Objekte vorzuführen. Die anderen visuellen Beobachter waren, glaub ich, froh darüber, schließlich stören solche Gäste, so kann man seinen Beobachtungsplan nicht durchziehen. Bei mir ist das anders, ich hab überhaupt keinen Plan und geh zumeist auch schon vor 2:00 Uhr schlafen, schließlich will ich tagsüber auch die Berge genießen können.  Ich finde das in Anbetracht der 4-5 Stunden Anfahrtszeit nicht so schlimm, prinzipiell bin ich mit einer halben klaren Nacht schon zufrieden, alles was mehr geht ist schon ein Geschenk. Die Nacht wird dann immer besser, gegen Mitternacht ist es komplett klar, lediglich der Dunst ist an der Aufhellung zu merken, der Wind schläft auch ein, Herz was will man mehr?

Nachdem die Gäste alle schlafen gegangen sind, wird es ruhiger. Ich habe dann noch die beiden Dobson 15“ und 18“ ausprobieren dürfen. Der Obsession ist edel verarbeitet und der 18“ ist auch eine Klasse für sich, also beides tolle Geräte auf die die Besitzer stolz sein können. Beim 18er haben wir den Cirrus-Sturmvogel eingestellt und am 15er den Ringnebel zum Vergleich zu meinen Gerät. Spät nachts kommt dann noch ein Hüttengast mit vollen Scheinwerferlicht am PKW daher und parkt sich genau vor uns ein. Aber das kann einem auf der ganzen Hochalpenstraße immer passieren. Ich habe den Fahrer dann aber doch noch durchs Teleskop schauen lassen, obwohl ihn die anderen wohl fast gefressen hätten. Das mit der Dunkeladaption ist so eine Sache für sich, selbst das helle Licht der Kopflampen macht sich da schon bemerkbar. Wenn man einen Blick in den Sternatlas wirft, merkt man gleich wie die Empfindlichkeit abfällt. Ab heuer habe ich Lesebrillen vom Augenarzt verschrieben bekommen, somit wird das Ganze noch etwas schwieriger, zumal die Brillen jetzt auch anlaufen können und die haben keinen Tauschutz. Jetzt werde ich noch Teile der Objektliste für den Samstag anfügen, wobei die vielen Standardobjekte für die Gäste nicht exakt dokumentiert wurden.

M4, M11, M8, M20 gleich zu Beginn, noch bevor der Skorpion hinter den Bergen verschwunden ist

M103,NGC457, NGC654,653,h& chi,  NGC 7789 eine Tour durch die Cassiopea-später M45

NGC 925 und NGC 1023, diese beiden Objekte sind hier tadellos zu sehen (nicht so wie letztes Jahr in Fuencaliente auf La Palma)

M31, 32, 110, M33, M57, M13 mit Begleitgalaxie,  M92, bei NGC6229 komm ich zu spät, der KS ist schon hinters Haus gegangen

Cirrusnebel  alle Teile, NGC 6888 Crescentnebel , M27 die Hantel

Matthias stößt mich dann doch etwas tiefer zu gehen, mit seinem Karkoschka geht das positionieren mit dem Sucher erstaunlich einfach-

die Sculptor-Galaxie NGC 253 im Sternbild Bildhauer, groß mit Verknotungen drinnen, passt nicht ins Gesichtsfeld des Pentax XW 14, also bei 128facher Vergrößerung

NGC 247, etwas oberhalb, Galaxie im Sternbild Walfisch-Cetus, ein großer schwacher Fleck bei dieser Vergrößerung

NGC 288 ein Kugelsternhaufen wieder im Sternbild Bildhauer-Sculptor, der schaut eher durch die Horizontnähe bedingt,  nach offenen Sternhaufen aus, aber dahinter glitzert es doch samtartig vor lauter Sternen.

Am SQM-Messgerät von Hubert zeigt es 21,4 also feucht und etwas aufgehellt?

Temperatur nach Mitternacht unter Null , geschätzte -1 oder -2 Grad, die Autos sind vereist

NGC 772, die Aries Galaxie und M74 etwas heller – alle leicht im Sucher zu finden

Kurz nach 2:00 Uhr früh ist dann Schluß

 

Sonntag 16. September 2012  Kaiserwetter am Glockner

Ein Traumsonnentag den wir, Marion, Günther, Matthias und ich am Schareck und in Heiligenblut verbringen.

Die Fahrt ist mit der Nationalparkcard gratis und heute ist der letzte Gondel-Betriebstag vor der Herbstpause.

Am Schareck erklimmen wir das Gipfelkreuz, dort sind ja richtige Menschenmassen, kein Wunder in Heiligenblut ist ja auch das Lammfest im Gange.

Die zweite klare Nacht in Folge 20:00 Uhr kein Wind ca. 5 Grad plus

Ich bin heute der einzige visuelle Beobachter am Platz,  Günther und Walter bedienen ihre Astro-Fotomaschinen, aber Marion teilt das eine oder andere eingestellte Objekt mit mir.  Die anderen „Dobsonauten“ hat es auf die Edelweisspitze verschlagen, dort muss heute Nacht einiges los sein. Oben ist es ja fein asphaltiert, nicht so eine Gatschfläche wie hier und naja, die 200 Höhenmeter mehr, lassen einen vielleicht auch das letzte aus den Gräten herausholen? Heute ist mein 16er ideal eingestellt, ich habe ihn schon am Nachmittag aufgebaut und kollimiert, also bei warmen Sonnenschein, das passt alles besser.

Noch mal schnell an Vega getestet und an Epsilon Lyrae dem Double-Double mal die Sterne zu trennen versucht, ja passt.

Start wie gestern mit M4, den würde ich gerne mal höher sehen, aber dazu müsste man wohl Namibia besuchen.   Das Licht aus der Stube stört wieder am frühen Abend, also habe ich den Dob mal weiter nach hinten zur Hüttenwand geschliffen. Ziemlich lieblos, aber die Holzkiste hat das noch immer weggesteckt. M80 im Pentax XW 20, gut selbst im XW 10 bei 180fach geht der Kugelsternhaufen nicht zum Auflösen, er bleibt ein Schneeball. M19, M9, NGC 6356 alles Kugelsternhaufen tief am Horizont. NGC 6229, der winzige KS im Herkules geht sich heute auch noch aus.

Später kommt  Daniela, die Kellnerin noch zu uns raus und es gibt wieder eine Spezialführung am Himmel. Ihr Sternbild der Steinbock steht ja herrlich hoch im Süden. Es wird dann mächtig über die Unendlichkeit und die vielen unerklärlichen Dinge des Weltalls debattiert. Marion und Günther meine langjährigen Begleiter hier am Glockner helfen mir dabei.

Schon erstaunlich, wenn jemand jede Nacht diesen Himmel zur Verfügung hat und trotzdem kein Teleskop besitzt….hihi,  fast unvorstellbar, vor allem im Gegensatz zu den Leuten, deren Fernrohre zigtausende Euros gekostet haben.

Vorher hatte ich noch zwei bayrische Sternfreunde am Dobson. Die Beiden beobachten, an dem drei Kehren höher gelegenen Parkplatz, mit einem 10“ Galaxy Dobson und einem C11.

Später dann der Helixnebel NGC 7293 im Sternbild Wassermann, schnell im Sucher gefunden, am besten mit OIII Filter. NGC 7331, M2, M15, M33 die Dreiecksgalaxie gibt heute einiges her, sehr leicht ist die S-Form zu erkennen.

Dann noch runter zu M20, M8, M16, M17 und M22. Alle Objekte am liebsten mit dem Pentax XW 30 bei 60fach. Mit dem eingebauten Filterschieber ist der Wechsel zwischen UHC und OIII Filter oder keinen Filter ganz easy.

23:30 Uhr Es ist warm und es hat noch immer einige Plusgrade, die Feuchtigkeit geht am Horizont hoch und schlechtes  Seeing ist am starken Sternenscheppern zu merken. Vom Mölltal kriecht Nebel herauf, das Tal ist schon vollgefüllt-sieht toll aus, der weiße Teppich. Ab und zu kommt Walter noch rüber zu mir und gemeinsam versuchen wir dem Ringnebel den Zentralstern abzuringen-

M57 - Mit dem Naglerzoom geht’s bis 3mm also 600fach. Leider mit dem Zentralstern wird’s heuer auch nix, selbst im 20“ Dobson konnte ich gestern nichts erkennen, muss wohl am schlechten seeing liegen?

Um 1:00 Uhr steh ich allein am Platz, noch eine schnelle Runde am Cirrus, ein Blick zur großen Nachbargalaxie und die vielen Sterne im bekannten Doppelsternhaufen genießen. Somit beschließe ich meine 5.Glockner-Astroexpedition ausklingen zu lassen.

Bis jetzt habe ich es noch nie bereut die große Dobsonkiste hier herauf zu bringen. Ich hatte immer etwas Glück mit dem Wetter. Meistens gab es vorher oder nachher, Schlechtwetter und wie in den letzten zwei Jahren, sogar Schnee. Die Wirtin meint mittlerweile schon, immer wenn ich komme gibt’s Schnee! Also falls es im Winter mal nicht so viel davon gibt, könnte ich ja kurz mit meinem Teleskop vorbei kommen.

Montag früh bin ich dann wieder heim nach Niederösterreich abgedüst

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