Zum vierten Mal am Glockner

Freitag 26. bis Mittwoch 31. August 2011

 

Ja, es ist schon fast zur Gewohnheit geworden, jedes Jahr im Spätsommer auf die Wallackhütte zum Sternespechteln zu fahren.

Dieses Jahr war es aber anders, ich hatte meine zwei Söhne, 5 und 10 Jahre alt und meine Frau mitgenommen,

dafür musste die fotografische Ausrüstung zuhause bleiben, nur der große Dobson und die Leiter durften mit.

Die 34. Woche dieses Jahr hatte uns eine extreme Hitzewelle gebracht, bis zu 37Grad zeigte das Thermometer im Flachland,

da freut man sich schon auf etwas hochalpine Abkühlung!

Aber es sollte dann doch etwas zuviel davon kommen, aber davon später.

Freitag 26. August 2011

Hitze!

Wir kamen also am Freitag, immer noch bei Hitze weit über dreißig Grad, von Richtung Fusch auf die Hochalpenstraße. Oben hatte es angenehme 14 Grad, aber leider auch starken Südwind. Nach einem schnellen Abendessen wurde der 16 Zoll Dobson aufgestellt, der Himmel war klar und eine ganze Menge von Teleskopen war hinter der Hütte im Windschatten aufgebaut. Aber, o weh, gerade mal 60fache Vergrößerung war möglich, sobald man mehr "rauf" vergrößerte waren die Sterne „eierförmig“ zu sehen, so stark zitterte der große Dobson.

Elongierte Sterne und das visuell, das ist neu!  (so was kennt man nur vom Fotografischen her)

Mit dem Pentax XW 30 Okular wurde dann aber trotzdem M 13 und M 31 angefahren und auch der Kugelsternhaufen M 20 musste herhalten. M 33 war aber nur ein schwacher Fleck-eigentlich eine Enttäuschung, somit schien auch die Durchsicht nicht grad berauschend zu sein.

Der Oberclou war aber der neue Komet C/2009P1 (Garradd), ganz leicht zu finden, stand er doch grad im Sternbild Pfeil neben dem bekannten M 71. Ansatzweise war der Schweif bei 60fach auszumachen. Auch mit dem Feldstecher war er eine leichte Beute.

Wie jedes Jahr trifft man auf der Wallackhütte Bekannte aus der Hobbyastronomenszene, diesmal Daniel Gütl  mit seinem Freund Justy alias Martin Jost, beide mit Partnerin. So kam es, dass ich bald einige Gäste am Martinidobson hatte. Der Cirrusnebel wurde eingestellt und der Sturmvogel mit OIII Filter bewundert. Er war fantastisch zu sehen , man musste halt immer die Windpausen abwarten, während der Böen war es unmöglich etwas zu erhaschen. Also festhalten und schnell spechteln, das ging, bevor die nächste starke Windböe kam. Beobachtersessel fielen gefährlich nahe der Teleskope um und auch meine Leiter machte sich laut scheppernd selbstständig. Wahnsinn, sogar der schwere Dobson wankte verdächtig. Am Schluß ließ ich ihn überhaupt nicht mehr los. Oder man drehte den Hut aus dem Wind, wie ein Segelboot in Seenot, haha .

Später besuchte uns heuer auch noch die Kellnerin von der Hütte und wieder gab’s eine Tour zu M13 und M31, nur Jupiter wollte nicht hinter den Bergen rauskommen, noch dazu lag eine Wolkenbank genau an der Stelle. Gegen 24:00 baute ich dann sturmbedingt ab. Die "fotografischen" Kollegen harrten dicht an die Hüttenwand gedrängt bis zum frühen Morgen aus.

 

Samstag 27. August 2011

Es regnete......

Um den Tag zu nutzen fuhren wir nach Kaprun in die neue Therme.

Bei der Rückfahrt war ein gewaltiges Gewitter im Gange, so mächtig, dass es an der Mautstelle zur Hochalpenstraße mit der Heimfahrt zu Ende war.

Die Hochalpenstraße war gesperrt und nur mehr mit Schneeketten befahrbar!

Na, da haben wir aber ein langes Gesicht gezogen. Ein Temperatursturz um 20 Grad in nur 8 Minuten hat die Berge komplett in eine weiße Winterlandschaft verwandelt. Wir standen also in Fusch und konnten nicht mehr zurück auf die Wallackhütte, wir überlegten uns schon ein Ersatzquartier für eine Nacht zu suchen -  Aber, oh Wunder, um 17:00 Uhr kam die Sonne wieder hervor, der Schneepflug machte dann doch eine gefahrlose Überfahrt möglich.

Nach all der Aufregung und wegen dem vielen Schneematsch vor der Hütte war ich dann erst um 21:30 Uhr am Beobachtungsplatzl hinter dem Bierradies (der Schihütte vor dem Wallackhaus).

Dort herrschte aber schon qualvolle Enge! Jeder wollte dem beißenden, eisigen Wind, der vom Hochtor herunter blies, ausweichen.

Da war also Teleskop an Teleskop aufgereiht, somit beschloss ich kurzerhand heute Abend nur den Canon IS 15x50er Feldstecher zu verwenden. Nach einer Tour durch die Milchstraße hatte ich dann aber doch genug von den windigen, kalten Nächten und verzog mich aufs Zimmer. Nach 3 erfolgreichen Glocknerastrotouren ließ der Eifer schon etwas nach und außerdem hatten wir ja noch drei Nächte vor uns.

Das Wallackhaus im Augustschnee:

Sonntag 28. August 2011

Kaiserwetter am Glockner !

Zimmerausblick:

Schneemannbauen im August?

vor Sonnenuntergang auf der Wallackhütte

Exakt um 20:37 Uhr  begann für mich die Beobachtung am 16 Zoll Dobson. Meine Kinder waren auch am Platzl, so stellte ich als erstes die Vega und Albireo für meinen 5jährigen ein. Temperatur ca. 10 Grad kein Wind, keine einzige Wolke, was will man mehr!

Um 20:55 Uhr flog spektakulär die ISS über uns hinweg. Alkor und Mizar waren der nächste Hit für die Buben. Obwohl noch immer sehr hell, stellte  ich M13 bei 128x ein, der Kugelsternhaufen ist schon, schön aufgelöst zu sehen. Zwischendurchdurfte auch mal Mama durchschauen, die Kinder ließen uns kaum ran! Mein kleiner Sohn war schon ganz professionell und sagte, dass er beim M17 Schwanennebel mit dem OIII Filter ganz klar und eindeutig den Schwan sehe. Später ging’s für die Kinder dann doch ab ins Bett und der Dobson gehörte wieder den "großen Hobbyastronomen".

M4  bei 128x schaute gar nicht so kugelsternartig aus , lockere Struktur, nach links oben ist er schon stark aufgerissen (wohl eher ein persönlicher Eindruck). M 80 daneben war schon recht klein bei dieser Vergrößerung, am Rand war er aufgelöst. Weiter ging’s zu M 62 sehr südlich und noch ein bissl kleiner als M 80.

M 19 der nächste Kugelsternhaufen da ganz unten, Grenzgröße dürfte so an die mag 7,0 sein (aber das abzuschätzen ist immer relativ), Oben in der Hütte störte noch das Ganglicht und ein Badezimmerfensterlicht - "geht’s schlafen Leutl, ihr müssts morgen alle Bergsteigen gehen", dachte ich mir und dann war´s doch finster. Was in dieser Nacht extrem auffiel, war der klare Südhorizont, keine Wolkenbänke wie üblich, extra wenig Aufhellung von den südlichen Großstädten wie Mailand, also das hatte ich noch nicht gehabt. So kam es dann, das M 6 und M 7 auch im Feldstecher ein Hit waren. Zwei offene Sternhaufen wobei der M 6, auch Schmetterlingshaufen genannt,  schon ganz unten knapp über der Schareckspitze stand, außerdem zeigte er schön eine X Form. Und dann kam noch der Hit- Hoppla was war das? So was hab ich von Österreich aus noch nicht gesehen, ein Sternenhalbbogen mit einem kleinen Reflexionsnebel oben drauf, daneben ein kleiner Kugelsternhaufen! Das ist die südliche Krone klärte uns Daniel auf - Corona Australis!

Perfekt, also es ging bis hinunter zum Horizont, ganz klare Sicht! NGC 6726-7 2 geteilter Reflexionsnebel ist der Name und der KS gehört zum Schützen NGC 6723 und ist der Südlichste in dem Sternbild Saggitaurus.

Fantastisch dann M 22, der hellste Kugelsternhaufen  an der Teekannenspitze. Die Sicht ist von Horizont zu Horizont vollkommen frei, minimalste Aufhellung, so perfekt war es noch nie.

Es war 22:16 Uhr, Temperatur bei 10 Grad, leichter Tau an den Geräten, wobei mein Dobson da total unempfindlich ist und die Pentaxokulare hatte ich zwischendurch sowieso in den Jackentaschen. Nur der Telrad taute etwas an, das störte einen geübten Dobsonauten allerdings wenig, die Zieleinrichtung war sowieso nur in etwa eingestellt, das genügte um bei diesem dunklen Himmel problemlos im Winkelsucher weiter zu finden. M 31 wie immer die große Andromedagalaxie, ganz fein im XW 30 bei 60 fach. M32 und auch M110 ganz klar, zweitere wie frei schwebend. Cirruskompex natürlich mit allen Filtern, das heißt OIII und versuchsweise auch mit dem UHC, auch nicht schlecht. Im Sturmvogel waren eindeutig Strukturen auszumachen. Ein einziger Gast kam heute noch aus der Hütte und dem wurde dann die komplette Standardtour (M13,31,Cirrus,etc) vorgeführt.

So, weiter ging es zum Lagunennebel M 20, ein Traum mit dem UHC Filter. Triffidnebel - schön die Dunklebänder zu sehen, wobei ich mir indirekt schon leichter tue. Ja eine schöne Tour durch die südlichen Milchstraßenobjekte M 17 und 16. Der Omega-Schwanennebel war für uns "WienerVorstädter" ein Genuss. Beim Adlernebel war klar der Nebelbogen  zu sehen. Die Vergrößerung blieb meist beim XW 14, bei Brennweite 1.800mm ist das 128fach, obwohl ich heuer auch die anderen Objektive griffbereit hatte.

22:53 Uhr - der Ringnebel wurde dann schon hinaufvergrößert, jedoch der Zentralstern war auch bei 258fach nicht zu knacken, fehlte uns da Beobachtungserfahrung? Schön zu sehen jedenfalls die äußere Hülle und der hellere Innenbereich. Nochmals zu M13, die kleine Galaxie NGC6207 war hier oben wie auf einem Foto zu sehen.

23:16 Uhr - M11 der Wildentenhaufen bei 90fach sehr kompakt und drinnen einige helle Sterne. Hier war es dann recht komisch, ich sah helle weiße Sterne darunter, Günther meinte die sind orange, Marion sagte es sind gelbe und Daniel tendierte eher auf blau, also so unterschiedlich waren die Eindrücke verschiedener Beobachter!

23:25 Uhr - M27 der Hantelnebel schön groß auch bei 90x noch. Zu Bernards E, bei 60fach passt das E komplett ins XW 30 rein. Daniel wollte dann die kleine Hantel sehen, also gut M 76 -huii die ist aber klein bei 90fach.

23:35 Uhr - der Cressentnebel gar nicht so leicht zu finden, eigentlich merkte man nur die äußere Hülle und das schaute wie ein großes Ei im UHC Filter aus. Dann kam M33 an die Reihe, wesentlich besser als am stürmischen Freitag zu sehen, aber immer noch leicht verwaschen, die großen Arme eher indirekt zu sehen. An das Ergebnis von vor drei Jahren auf der Edelweisspitze kam das nicht heran.

0:07 Uhr - Jupiter war jetzt schon ganz hoch gekommen, Testweise bei 300 fach, geht schon, aber der Planetenrand wabberte doch beträchtlich. Dann den Kugelsternhaufen M15 bei 128x und bei 180x sehr schön und aufgelöst.

0:16 Uhr - Daniel schickte uns jetzt zu anspruchsvolleren Objekten - NGC 891 eine Galaxie in Kantenlage im Sternbild Andromeda, hier gab’s ein Staubband, wobei es wieder Unterschiede zwischen den einzelnen Beobachtern gab. Marion und Daniel sahen das Band voll durchgehend, Günther und meine Wenigkeit sahen es dann nur im helleren Zentralbereich. Die Galaxie NGC 1023 auch in Kantenlage sah ich dann nur mehr sehr schwach glimmen.

Nach 1:00 Uhr gab es dann noch Plejaden, h + chi und nochmals Andromeda und dann war Schluß für mich. Der Familienurlaub mit den Kindern war schon anstrengender als sonst, am Tag schlafen war da unmöglich, aber es war doch ein guter Kompromiss und eine perfekte Nacht. Meine Astrokollegen harrten an ihren DSLRs und CCDs natürlich bis zum Morgengrauen aus. Zodiakallicht haben sie aber nicht bemerkt, scheint als ob die Bedingungen dann doch schlechter wurden.

Milchstraße von Günther Petz

der Morgen nach der Beobachtungsnacht

Und so war es dann auch, das Wetter hat wieder umgeschlagen, am Hauptkamm haben sich die Wolken bis Mittwoch gestaut, unten im Tal war es meist etwas sonnig aber die nächsten zwei Beobachtungsnächte fielen aus.

Somit hatten wir eine perfekte und zwei stürmische Nächte, damit bin ich zufrieden.

unsere Hobbyastronomiegruppe

CS

Martin