2.Glockner Astro Expedition

Mit dem 16 Zoll Dobson an der Großglockner Hochalpenstraße 23. August bis 26. August 2009

ein einsamer Dobson trotzt den aufziehenden Wolken

Sonntag 23. August 2009

Nach fast sechs endlos langen Stunden auf der Autobahn erreiche ich die Mautstelle im Fuschertal. Nach etwas Problemen darf ich gratis passieren, ich wurde versehentlich auf der falschen Seite, nämlich von Heiligenblut kommend gemeldet. Aber ab zwei Nächten auf der Wallackhütte ist die Maut enthalten! Ich bin dann noch auf die Edelweisspitze um mir eine Tasse Kaffee zu gönnen. Die Spitze ist heute nebelverhangen, es ist kühl heroben nur im Süden scheint blauer Himmel durch. Ich beobachte eine Gruppe deutscher Hobbyastronomen, die sich hier in der Edelweishütte einquartieren. Offensichtlich wird hier heroben heute Nacht etwas los sein. Und scheinbar hat der Wirt jetzt neue Fremdenzimmer, vis a vis vom alten Haus zum Vermieten und wie ich es mitbekomme dürften die Zimmer mit Bad sein. Der Kaffee und der Kuchen sind lecker und natürlich gönne ich mir noch ein Glas Erdbeermilch, hmm schmeckt das gut!

Dann wird aber auf der Wallackhütte in 2.304m mein altes erprobtes Quartier bezogen, sogar das selbe Zimmer wie letztes Jahr bekomme ich wieder. Die Wirtin erklärt mir, daß die ganzen Sternderlgucker schon do g´wesen sind und kein gutes Wetter g´habt haben, schade! Heute Abend bin ich jedenfalls der einzige mit einem Teleskop auf der Hütte. Der Platz hinter der Hütte ist leer. Eigentlich hätte ich schon am vorigen Dienstag hier heroben sein wollen. Durch ein Termin Missverständnis mit meinen Astrokumpeln, Marion und Günther Petz (sie kommen erst morgen nach) stehe ich jedoch heute hier, aber wie sich später herausstellen wird, war das eine glückliche Fügung des Schicksals. 
20:00 Uhr vor der Wallackhütte, der Mond steht noch eine handbreit über dem Alpenkamm, Temperatur sicher 10 Grad, schwacher Wind. Ich habe kurz zwei deutsche Gäste an meinem Teleskop, gemeinsam sehen wir uns den noch jungen Mond bei 60facher Vergrößerung an. Es wabbert schon heftig im Okular und über das Hochtor ziehen mächtig Wolken herüber, aber der Süden ist wolkenfrei. Der erste Stern der herauskommt ist die Vega hoch im Zenit, nach und nach erkennt man den Skorpion und den Schützen. Bei Antares versuche ich M4, aber um 21:00 Uhr ist es noch extrem hell hier heroben, ich sehe nichts. 
Ach Gott es schaut nicht gut aus, immer mehr Wolken kommen von Norden, nur der Jupiter blinzelt noch durch den Dunst. Rechts im Pasterzental bildet sich Hochnebel, schaut witzig aus, wie ein weißes Leintuch. Um 21:30 Uhr ziehen jetzt auch Wolken um die Wallackhütte. Ganz kurz kann ich noch einen Blick auf Jupiter bei 60x  werfen, dann ist es komplett zu. Weit nach 23:00 Uhr gebe ich resigniert auf, die lange Anreise und Bolam 21km, das erst gegen 6:00 Uhr Besserung vorhersagt bewegen mich zum Abbau.
Der erste Abend war also daneben, nicht gerade erbaulich, aber so ist es halt in den Alpen.
der noch junge Mond um 20:00 Uhr
Montag 24. August 2009
Um 9:00 Uhr früh bin ich beim Hochtor. Von dort wandere ich etwas rauf zum Hochtorsattel und dann noch eine Weile den Berg nach Westen hinauf. Ich kehre aber nach einer Stunde wieder um. Bergwandern und Astronomie vertragen sich nicht sonderlich, höchstens mit viel Redbull? Beim großen Wasserfall in der Nähe der Pasterze hänge ich dann eine ganze Weile faul herum und lasse so richtig mal meine Seele baumeln. Nach einem kurzen Abstecher zu den Touristenmassen auf der Pasterze zieht es mich wieder zurück zur Wallackhütte. Am Nachmittag treffen dann die Petzis ein, sie haben letzte Woche zwei gute Nächte bei ihrem Urlaub im Zillertal gehabt. Scheint, als ob das Zillertal ein wenig von den Wolken verschont wird?
Die große Andromedagalaxie hat Günther aus dem Zillertal mitgebracht
der Morgen nach der Wolkennacht, letzte Reste des Hochnebels im Tal
Die Nacht des Jupiters
Am Abend bauen wir dann hoffnungsvoll hinter der Hütte unsere Geräte auf. Ja, es sieht heute gut aus , der Himmel ist voll klar, keine einzige Wolke zu sehen, also hat sich unsere Terminschwierigkeit doch bezahlt gemacht! Wieder sind wir die einzigen Hobbyastronomen. Pünktlich um 21:00 Uhr blinzelt Jupiter über den Gebirgshorizont. Im Pentax XW 30 Okular sieht man schön die vier Monde aufgefädelt, sonst wabbert es aber noch furchtbar. Antares wird mit dem XW14 eingestellt, schön sieht man die Spiderreflektion an solch hellen Sternen. Übrigens mit dem superscharfen Fangspiegel von Antares, Lambda 1/30, ist der Spider locker  als Scharfstellhilfe zu verwenden. Sobald man aus dem Fokus rausdreht läuft der Spider zum Doppelspider auseinander. Wieder stelle ich M4 ein, wieder ist nichts zu sehen, es ist zu früh und ich bin ungeduldig. M13 hoch am Himmel geht aber schon, nicht perfekt aber immerhin. Alkor und Mizar, das Reiterlein schön getrennt bei 129fach. Epsilon Lyrare ist bei dieser Vergrößerung grad als Achter zu sehen, da werde ich vielleicht doch noch einmal den Justierlaser einspannen? Und wirklich der Newton hat sich noch mal verstellt, schnell nachkorrigieren und der "double-double" ist perfekt, zwar schwierig, aber getrennt. Jetzt ist es 21:15 Uhr ich besuche den Ringnebel, M57. Es ist noch lange nicht finster aber das Ringerl ist bei 180x schön zu sehen. Gut es wird langsam dünkler, versuchen wir mal wieder M4. Im 38mm SWA also bei 47fach sehe ich ein matschiges Fleckerl, aber doch am Rand einzelne Sterne. Ab 21:30 Uhr bei 180x ist er voll aufgelöst, der M4 schaut mir aber eher nach offenen Sternhaufen als nach Kugelsternhaufen aus. Im Tal kommt schon wieder der leintuchartige Hochnebel raus. Jetzt wird es aber Zeit, auf, voll nach Süden. Der Südhimmel bleibt uns Weinviertlern durch die Lichtglocke von Wien ja leider verwehrt, daher muss ich hier ein besonderes Augenmerk auf die Südhighlights werfen. Also M80 der kleine kompakte Kugelsternhaufen ist bei 180x fast nicht zum Auflösen.  Von der Ausdehnung hat er sicher nur ein viertel vom M4. Dann nach Osten zu M19, noch ein kleiner Kugelsternhaufen. Erscheint bei 128fach leicht oval. NGC 6293 gleich weiter Richtung Osten ist auch nicht sonderbar auflösbar. M8 ja der wunderschöne Lagunennebel, bei 60fach mit und ohne UHC Filter toll zu sehen. Links im Okular die Lagune mit der Teilung, rechts der Sternhaufen und unterhalb so ein dunkler See. Die südliche Milchstraße ist jetzt wunderbar strukturiert zu sehen. M8, M20, M16 und M17 sind freisichtig schön auszumachen.
22:00 Uhr Tau ist da, das Wasser rinnt nur so vom Dobson herunter, aber es ist nun finster. Die Transparenz des Himmels ist schon atemberaubend.  M17 der Omeganebel wunderschön bei 60fach der Schwan zu sehen. Günther versucht mit seiner SBIG 2000 den Adlernebel aufzunehmen, jedoch fällt dieses Objekt zu rasch zum Horizont, er läuft einem regelrecht davon. Später stellt er dann für den Rest der Nacht M33 ein. Visuell ist M16 der Adlernebel nicht so toll. Das "Schwammerl" ist grad mit dem UHC-Filter bei 60fach fein zu erkennen. M20 der Trifidnebel recht klein bei 60fach im XW30, bei 128fach sehr schön aber nur mit dem UHC Filter perfekt . Die Durchsicht ist super und die Milchstraße geht von Horizont zu Horizont, Lichtverschmutzung ist hier heroben noch kein Thema.  Durch die hohe Luftfeuchtigkeit ist diese Nacht aber leider sehr aufgehellt. Im kleinen Bär erkennen wir Sterne höchstens bis 5,5 mag. So finster wie die Nächte im letzten Jahr hier heroben ist es heute nicht. Kurz nach 22:15 Uhr haben wir noch eine Salzburger Familie mit zwei kleinen Mädels zu Gast. Die kleiner der beiden hat die Nachführung und Ausrichtung des großen Dobsons blitzschnell verstanden und führt dann gleich für ihre Eltern einige unserer vorgestellten Objekte nach. M 31 bei 60fach eine riesige Galaxie, M13 bei 128fach extrem aufgelöst und eine echte Wucht. Der Sturmvogel im Cirrus und Jupiter sind noch hervorragende Vorzeigeobjekte. 
Der Planet Jupiter trotzt der feuchten Luft perfekt, das seeing ist heute extra toll und so bringen Vergrößerungen bis 340fach im Nagler Zoom noch einen Gewinn.
Weiter geht es zum Helixnebel NGC7293 bei 60fach sehr schwach erkennbar, mit dem XW20 bei 90fach und dem OIII Filter ist er fein zu sehen. M22 der große Kugelsternhaufen im Schützen  riesig bei 180fach im XW10, fast wie M13, wolkenartiger Hintergrund und bis ins Zentrum aufgelöste Einzelsterne. Mit dem händischen GoTo geht ein vergleich zu M13 natürlich blitzschnell, ein Schwenk hinauf, aha M13 hat irgendwie mehr Einzelsterne, kräftiger erscheint er auch, aber das hat vielleicht was mit der Höhe zu tun. Also wieder zurück zu M22, ja der ist nicht so hell. M25 ein offener Sternhaufen, ist mit 60fach vielleicht schon zu groß vergrößert. M24  die kleine Sagittaurius Wolke ist extrem klar im Sucherfernrohr bei 8fach erkennbar. Bei 60fach sieht man zwar ein riesiges Sternenmeer verliert sich aber leicht darin. M17 ist jetzt ein bisschen besser, richtig Struktur bei 128fach, scheint als ob sich die Bedingungen jede Stunde verändern. Es dürfte jedenfalls etwas finsterer sein, möglicherweise ist die Luftfeuchtigkeit auch etwas zurückgegangen. Weiter nochmals zu M20, nein die Aufhellung fordert ihren Tribut., dafür M11 sehr fein aufgelöst und natürlich hier heroben sehr leicht zu finden. B142 + B143 Bernard´s E die große Dunkelwolke bei 60fach schön zum drüberfahren. Da eine Sternschnuppe ! Hier ohne der sonst immer lästigen Himmelsaufhellung durch die Großstädte sieht man viel mehr davon als sonst. M27 der Hantelnabel schon bei 60fach schön die Hantelform strukturiert, bei 90 fach mit UHC-Filter schön der Hintergrund abgedunkelt, perfekt. Bei der Vega probiere ich nochmals am Spider scharf zu stellen, so wie mit der CCD-Kamera funktioniert das hier am hellen Stern genauso exakt. 
Wieder zu Jupiter der jetzt schon fast im Süden steht. Vergrößerung im XW 7 bei 258fach wie gestanzt. Und da erkenn ich extrem klar wie der große rote Fleck von links ins Okular hereinwandert! Fantastisch! Unterhalb des "roten" Bereichs (eigentlich ist der Fleck eher melangefärbig) ganz klar ein weißer Rand bevor es wieder in die braunen Wolkenbänder übergeht. Die Wolkenbänder sind fein unterteilt, strukturiert mit einzelnen Verwirbelungen zu sehen. Es ist als ob man ein fertig ausgearbeitetes Webcam Bild vor sich hätte, nur halt live und visuell!  So scharf und extrem ruhig habe ich Jupiter noch nie gesehen. Das seeing dürfte hier heroben brillant sein? Der 16" Dobson mit dem GSO-Spiegel ist ganz sicher ein super Gerät am Planeten!
M31 die große Andromedagalaxie mit M32 und M110, tadellos, groß, hell - so was gibt es zu Hause nie zu sehen. Selbst im Canon 15x50 Feldstecher ist die Galaxie ein Genuss. M33 die Triangulumgalaxie mit dem Fernglas ganz leicht zu finden, im 16" dann bei 60fach nach unten und oben je ein Spiralarm zu erkennen. Im Vorjahr auf der Edelweisspitze hatten wir sie aber einen Tick besser , sie ist zwar hell aber etwas matschig zu erkennen,M74 die Galaxie im Fisch, groß bei 128fach, lichtschwach, der Zentralbereich aufgehellt.
M45 die Plejaden gerade aufgegangen, also direkt über der Bergkette, bei 60fach jedoch der Meropenebel ist nicht so klar wie im Winter zu sehen. h und chi der Doppelsternhaufen ein absoluter Genuss, traumhaft schön, ein Sternenmeer, wie Diamanten herrlich. NGC 7789 Karolines Sternhaufen bei 128fach, wieder glitzert ein Sternenmeer im Okular, kein schwammiges Fleckerl wie zu Hause sondern extra klar die vielen, vielen Sterne.

Und wieder schwenke ich zu Jupiter, der große rote Fleck ist jetzt schon fast in der Mitte des Planeten angekommen, Wahnsinn wie schnell sich der Gasriese dreht. Jeder von uns klebt regelrecht am Okular, so etwas gibt es nicht alle Tage zu sehen.

Der Tau ist furchtbar, alles ist watschelnass! Mehrmals versuche ich das Telradfenster und den Winkelsucher frei zu föhnen. Der 12V Föhn mit dem tragbaren Akku sind im Dauereinsatz. Der Hauptspiegel bleibt aber die ganze Nacht hindurch beschlagsfrei, die große Kiste hält jeden Tau wirksam ab! Bemerkenswert ist aber, dass der Fangspiegel genauso taufrei bleibt, und zwar ohne Heizung! Die Dimensionierung des Martinibausatzes ist da wirklich perfekt, außerdem hab ich ja den Fangspiegel zum original GSO Set vergrößert und auch das macht nichts, die zwei Spiegeln bleiben taufrei! Vielleicht sollte ich mir zu Hause zwei Taukapperln für die Sucher basteln? Wichtiger erscheint mir jedoch ein Einbau eines Filterschiebers. Das ganze rauf runterschrauben der UHC und OIII Filter noch dazu in 2" oder 5/4" ist echt lästig. Ich werde also demnächst bei Spheretec so einen Schieber ordern und einbauen. Die Okulare lagern im Kofferraum des Opelkombis und sind so bestens vor Tau geschützt. Nur den Deep-Sky Atlas habe ich auf der Liege in der Wiese liegen, was ich dann am nächsten Morgen mühsam mit dem Zimmerhandtuch wieder gutmachen wollte. Aber der Atlas hat eh diese foliengeschützten Seiten und verzeiht solche Strapazen durchaus.

Zum Ende dieser feuchten, etwas aufgehellten hochalpinen Nacht geht es natürlich noch intensiv zum Jupiter. Eine echte Freude!

Günther lässt seine G11 mit der SBIG bis zum Morgengrauen durchlaufen. Ich trolle mich etwas früher müde aber zufrieden auf mein Zimmer in die warme Wallackhütte.

Hier sein erstes Bild vom Adlernebel-mittendrin die sogenannten Säulen der Schöpfung, riesige Sternentstehungsgebiete

und dann noch das zweite von der M33 mit den gewaltigen H-Alpha Gebieten

Unsere Ausrüstung vor dem untergehenden Mond

 

 

Dienstag 25. August 2009
Nach einer kurzen Nacht sitzen wir in der Sonne vor unseren Autos. Der Tau der Nacht sitzt noch immer in unserer Ausrüstung, vor allem in der Schibox ist es recht feucht. Dort hab ich aber den Dobsonhut verstaut und der ist mit seinen dünnen Sperrholz schon recht aufgeweicht. Also alles raus auf die Wiese in die Sonne. Die Liege, die Isolierung der Stangen, die Lichtblende alles kommt zum Trocknen an die frische Luft. So verläuft der Vormittag bei schönsten Bergwetter, Nachmittags verziehen sich alle dann zum Schlafnachholen aufs Zimmer. Als es dann Abend wird ziehen sehr dichte Wolken, diesmal aber von Süden, herein. Ob diese Nacht wohl klar wird? Günther beschließt seine Astrofotoausrüstung im Auto zu lassen, schließlich dauert der Aufbau und das Einrichten mehr als eine Stunde da sollten die Aussichten schon gut sein. Mit meinem Dobson verhält sich das anders, ruck zuck ist er aus dem Auto, zusammenbauen und mit dem Laser einstellen dauert nicht mehr als 10-15 Minuten, da ist es egal ob es jetzt klar wird oder nicht. Wieder ist der Mond das erste Ziel im XW 30, es wabbert sehr aber die wunderschöne gelbliche Färbung und die vielen sichtbaren Krater machen das wieder wett. 
20:30 Uhr die Wolken kommen weiterhin aus Süden und stauen sich vorm Alpenhauptkamm, nach Südosten ist es aber klar. 

Jupiter steigt über die Gipfel und wird natürlich sofort anvisiert. Oh fein, ein Mond samt Schatten sind sichtbar. Es handelt sich dabei, wie erst später herausgesucht um Kallisto!

21:10 Uhr - Es klart immer weiter auf! Auf der Nordseite steht eine Gewitterzelle, starkes Wetterleuchten ist die Folge. Zwei vielleicht drei oder vier Blitze in der Sekunde erhellen den Himmel. Günthers Entscheidung hat sich angesichts des klaren Himmels, der aber immer wieder grell von Blitzen beleuchtet wird, als richtig herausgestellt. Der Hochnebel hat sich mittlerweile auch wieder im Tal gebildet. Heute ist die Nebeloberseite wesentlich höher gelegen, der Nebel schwappt fast bis zu unserem Standort herüber. Aber der Himmel über uns ist jetzt ganz aufgeklart, zwar immer "beblitzt", aber fürs visuelle voll brauchbar.

21:24 Uhr Der Mond geht unter, Jupiter steht schon höher, der Mond Kallisto ist jetzt an der Kante der Planetenscheibe angelangt und kurze Zeit später leuchtet er hell vor dem schwarzen Hintergrund auf, ein Spektakel!!! Überhaupt einen Mondschatten sieht man ja öfters auf der Jupiteroberfläche, aber den Mond selbst, das ist schon etwas ganz besonderes.

Es ist leicht windig, Temperatur ca. 10 Grad und kein Tau! Alles in allem aber nicht unangenehm. 

Die Milchstraße kommt jetzt immer mehr plastisch hervor, mit dem Feldstecher besuche ich Altair dann Tarazed und weiter den Colinder 399 den Kleiderbügelhaufen. 

Beim Jupiter ist übrigens auch der große rote Fleck, links neben dem Mondschatten klar erkennbar.

Dann geht es wieder zu den südlichen Messier Objekten. Lagune, Trifid, Adler und Omega, M19, M22 allesamt mit 60fach und 180fach und ganz schnell mit Telrad und Winkelsucher aufzufinden. 

Wieder haben wir Gäste am Dobson, die Tour geht zu M13 und M31, dann zum Doppelsternhaufen h+chi und zum Jupiter. Nach wie vor das Wetterleuchten das denn Himmel durchzuckt.

So jetzt geht der Südhorizont mit Wolken zu. Jupiter verschwindet, auch die Südsternbilder, Schütze und Skorpion. Gut schwenken wir nach Norden in die Cassiopea, M103 bei 128fach glitzert im Okular. 

NGC 457 wie so ein Manderl, oben die zwei Augen, Hände und Füße, eben der ET-Cluster. 

Jupiter kommt wieder aus den Wolken und wir probieren mit dem XW7 bei 258fach den UHC-Filter. Ja die Strukturen der Wolkenbänder kommen mit dem Filter doch etwas besser hervor. So extrem brillant wie gestern kommt Jupiter nicht mehr zur Geltung, möglicherweise ist das seeing heute etwas schlechter. Kallisto war jedenfalls ganz klar zu erkennen, selbst für unsere Gäste war Mond und Schatten erkennbar.

NGC 7000 der Nordamerikanebel im XW30 bei 60fach und UHC Filter. Ein diffuser Henkel wird sichtbar, es dürfte die Bucht von Mexico sein. Die Nacht ist wesentlich besser als gestern, am kleinen Wagen sind schon mehr schwache Sterne zu sehen, somit sind wir sicher weit über 6. Größenklasse. Aber das Grenzgrößenraten ist nicht unbedingt meins, möglicherweise kaufe ich mir auch einmal so ein Messgerät.

M51 wird eingestellt und bei 60fach, dann 128fach kommt sie sehr schön heraus. Zwei Zentralbereiche sichtbar, auch die Spiralarme.

M2 Kugelsternhaufen 128fach kompakt, hell, leicht zu finden. M15 der zweite beim Pagasuskopf auch mit 128fach tadellos auflösbar.

M30 detto Kugelsternhaufen im Steinbock, blitzschnell gefunden, nicht aufzulösen.

heute noch mal M33, zuerst im Feldstecher ein großer heller Bereich, dann im Dobson bei 128fach etwas matschig.

Die Milchstraße wunderschön freisichtig, die Teilung im Schwan und dann hinunter bis zum Horizont. Auf dem Campingsessel mit dem Feldstecher bewaffnet ist das schon ein Erlebnis.So schön wie hier in den Alpen gibt es die nicht so schnell irgendwo in Zentraleuropa zu sehen. Da muss man schon nach La Palma oder gar nach Afrika fahren. 

M52 der offene Sternhaufen in der Cassiopea bei 60fach, wow das blitzen ist Arg, das Wetterleuchten geht nach wie vor weiter. 

Ein schauriges Naturschauspiel! Fotografieren wäre da unmöglich.

Somit geht unsere 2. Astroglockner Expedition zu Ende. Mein neues Diktafon hat mir gute Dienste geleistet und mir die Hände fürs Okularwechseln freigehalten.
Zwei von drei Nächten waren nutzbar, das ist für die Alpen gar nicht so schlecht. Die kommenden Tage dürften bewölkt sein und außerdem steht der Mond ja auch schon zu hoch. Die Tage vor dem Augustneumond dürften auch nicht berauschend gewesen sein. Somit haben wir grad das "Wolkenfensterl" für den August gefunden und sind zufrieden. Im September wäre noch einmal die Gelegenheit hier auf die Hochalpenstraße zu kommen, dann stellt sich die Wintersperre der Straße rasch ein. 
Ich kann den Beobachtungsort nur jedem empfehlen, man muss nicht unbedingt ein deep-sky Spezialist sein, der sich da die Augen ums letzte Fleckerl verdreht (das ist schon gut so), auch für "Wald und Wiesendobsonauten" zahlt es sich aus, sein Teleskop nur einmal hierauf zu bringen.
 

 

 

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